Etappe 6 des TMB: Vom Rifugio Bonatti nach La Fouly über den Grand Col Ferret

Grand Col Ferret

Altimood, Aktualisiert am

Der Grand Col Ferret (2.537 m) ist der höchste Punkt des klassischen Tour du Mont-Blanc. Er ist zugleich eine Grenze, die zweite des Rundwegs: Mit einem Schritt verlässt man Italien und betritt die Schweiz, tauscht die Wucht der Granitnadelspitzen gegen die Sanftheit der Walliser Alpweiden. Dieser Landschaftswechsel auf wenigen Metern gehört zu den eindrucksvollsten Momenten des TMB.

Die Etappe vereint an einem einzigen Tag den allmählichen Aufstieg durch das italienische Val Ferret, die Passüberquerung mit Blick auf den Glacier de Pré-de-Bar und den Grand Combin, dann den langen Abstieg durch Schweizer Weideland bis nach La Fouly. Es ist zugleich die längste Etappe des TMB nach Distanz, was sie trotz fehlender technischer Schwierigkeit anspruchsvoll macht.

Die Route: Profil, Karte und GPX

1500 m2000 m2500 m0 km5 km10 km15 kmRefuge Elena · 2055 mGrand Col Ferret · 2531 mFerret · 1702 m

Etappe 6 im Überblick

Distanz~20,4 km
Aufstieg+959 m
Abstieg-1.373 m
Höchster PunktGrand Col Ferret (2.537 m)
Gehzeit6:30 bis 7:30 Stunden reine Gehzeit
Schwierigkeit3/5
StartRefuge Walter Bonatti (2.026 m)
ZielLa Fouly (1.593 m)

Hinweis: Dies ist die längste Etappe des TMB nach Distanz. Der kumulierte Abstieg (knapp 1.400 m) belastet die Knie stark. Wanderstöcke gehören hier keinesfalls in den Rucksack, vor allem im Schweizer Abstieg.

Der Abstieg nach Arnuva: Abschied vom italienischen Balkon

Man verlässt die Refuge Bonatti am frühen Morgen, mit Blick auf die noch im Schatten liegenden Grandes Jorasses. Der Weg führt zunächst hinab zum Talboden des italienischen Val Ferret über die Alpweiden von Malatra (2.056 m) und erreicht dann die Sennerei von Arnuva (1.776 m) in etwa 1,5 Stunden. Es ist ein gleichmäßiger Abstieg ohne Überraschungen, durch Wiesen voller Enzian und Alpenrosen.

Im Vorbeigehen passiert man den Glacier de Pré-de-Bar, der an der Ostflanke des Talkessels sichtbar ist. Dieser Gletscher, der vom Mont Dolent (3.823 m) herabfließt, hat sich in den letzten Jahrzehnten erheblich zurückgezogen. Seine Stirn, einst auf Höhe des Weges, liegt heute weit darüber. Ein greifbarer Beleg für den Gletscherrückgang in den Alpen, von Jahr zu Jahr mit bloßem Auge sichtbar.

Der Mont Dolent verdient eine Erwähnung: Er ist der Gipfel, an dem die Grenzen Frankreichs, Italiens und der Schweiz zusammenlaufen. Ein Dreiländereck auf 3.823 m, vom Weg aus unsichtbar, aber auf dieser Etappe des Übergangs zwischen zwei Ländern symbolisch allgegenwärtig.

Die Refuge Elena (2.062 m): Letzte Rast vor dem Pass

Von Arnuva steigt der Weg zur Refuge Elena (2.062 m) auf, der letzten italienischen Einkehrmöglichkeit. Rechnen Sie mit etwa einer Stunde gemäßigtem Aufstieg. Die Hütte bietet Getränke und Verpflegung. Hier füllt man idealerweise die Trinkflaschen auf und passt die Kleidungsschichten an, bevor der finale Anstieg beginnt.

Oberhalb der Hütte wird das Gelände zunehmend felsig. Die Alpweiden weichen Geröll und steileren Grashängen. Die letzten 400 Höhenmeter bis zum Pass bilden den anspruchsvollsten Abschnitt des Tages. Zu Saisonbeginn (vor Mitte Juli) können auf den letzten Hängen Altschneefelder liegen. Technisch unproblematisch, aber Schuhe mit gutem Profil sind willkommen.

Der Grand Col Ferret (2.537 m): Der Wendepunkt

Der Pass ist breit, grasig, windig. Man erreicht ihn nach gut einer Stunde Aufstieg von der Refuge Elena. Die Belohnung ist doppelt.

Auf der italienischen Seite, hinter Ihnen: Das gesamte Val Ferret erstreckt sich tief unten, eingerahmt von den Nadeln des Massivs. Man erahnt den Glacier de Pré-de-Bar, die Refuge Bonatti in ihrer Alpweide und weiter hinten den Col de la Seigne, über den man zwei Tage zuvor nach Italien gelangt ist. Das gesamte italienische Abenteuer des TMB verdichtet sich in diesem Rückblick.

Auf der Schweizer Seite, vor Ihnen: Die Landschaft wandelt sich radikal. Die Konturen werden weicher, die Farben grüner, die Hänge runder. Der Grand Combin (4.314 m), Gigant des Wallis, beherrscht den Horizont im Nordosten. Man wechselt vom italienischen Alpendrama zur helvetischen Gelassenheit. Es ist ein Übergang, den Worte kaum beschreiben und den jeder Wanderer auf seine Weise erlebt.

Der Pass ist zugleich der höchste Punkt des klassischen TMB (die Varianten über den Col des Fours und die Fenêtre d'Arpette führen höher, gehören aber nicht zur Standardroute).

Der Schweizer Abstieg: Alpweiden, Raccards und das Schweizer Val Ferret

Der Abstieg auf der Schweizer Seite ist lang (etwa 3 Stunden bis La Fouly), aber nie langweilig. Der Weg führt zunächst über die Alp La Peule (2.090 m), wo ein Alpkäserei in der Saison gelegentlich Getränke und lokalen Käse anbietet.

Beim Abstieg zum Dorf Ferret (1.700 m) betritt man eine Landschaft, die sich von allem unterscheidet, was man seit Beginn des TMB durchwandert hat. Die Raccards tauchen am Wegesrand auf: kleine Kornspeicher aus gedunkeltem Holz, auf Stelzen gebaut und mit Steinplatten auf jedem Pfeiler bekrönt, die einst Getreide und Saatgut vor Nagetieren schützten. Eine typisch Walliser Architektur, im gesamten Kanton verbreitet, von den frankophonen Tälern des Entremont bis zum deutschsprachigen Oberwallis. Funktional und elegant, prägen sie das Schweizer Val Ferret mit ihren dunklen Silhouetten.

Ankunft in La Fouly (1.593 m)

La Fouly ist ein kleines Bergdorf, im Winter Langlaufstation, im Sommer Durchgangsort des TMB. Nach den 20 Kilometern der Etappe ist die Ankunft in diesem ruhigen Weiler eine Erleichterung. Man findet hier einen Lebensmittelladen, Restaurants, Unterkünfte und eine Bushaltestelle (Linie La Fouly-Orsières, 7 Abfahrten pro Tag) für alle, die ihre Route verkürzen oder umplanen möchten.

Die Atmosphäre steht in starkem Kontrast zu Courmayeur: keine Luxusgeschäfte, keine überfüllten Terrassen. La Fouly lebt im Rhythmus der Berge, ruhig und ohne Aufhebens.

Unterkunft am Ziel

Die Auberge des Glaciers ist die wichtigste Unterkunft in La Fouly für TMB-Wanderer. Schlafsäle und Zimmer, Abendessen und Frühstück. Gesellige Atmosphäre, Garten mit Blick auf die Gipfel.

Reservierung im Juli und August empfohlen. Die Bettenkapazität in La Fouly ist begrenzt. In der Hochsaison mindestens eine Woche im Voraus buchen.

Alternativen:

Praktische Tipps für diese sechste TMB-Etappe

Wasser und Verpflegung

Wasser gibt es an der Refuge Bonatti (Start), an der Refuge Elena und in La Fouly. Zwischen der Refuge Elena und La Peule (etwa 2 Stunden) gibt es keine zuverlässige Wasserquelle. Füllen Sie an der Refuge Elena mindestens einen Liter auf, bevor Sie den Pass in Angriff nehmen. Die Alpkäserei La Peule bietet gelegentlich Verpflegung, aber nicht garantiert an jedem Tag.

Wetter und Zeitplanung

Der Grand Col Ferret ist dem Wind und schnellen Wetterwechseln ausgesetzt. Frühes Aufbrechen von der Refuge Bonatti (vor 7:30 Uhr) ermöglicht es, den Pass am späten Vormittag zu überqueren, bevor die im Sommer häufigen Nachmittagsgewitter einsetzen. Bei dichtem Nebel ist die Markierung zwar korrekt, aber das Vorankommen langsamer: Der Pass ist breit und der Weg weniger offensichtlich als in bewaldeten Abschnitten.

Die letzten Hänge unterhalb des Passes können bis Mitte Juli Schneereste tragen. Steigeisen sind nicht nötig, aber Stöcke helfen bei der Stabilisierung auf aufgeweichtem Schnee.

Häufige Fragen zur Etappe 6 des TMB

Wie lange dauert die Wanderung von der Refuge Bonatti nach La Fouly?

Rechnen Sie mit 6:30 bis 7:30 Stunden reiner Gehzeit. Der Abstieg auf Schweizer Seite (ca. 3 Stunden) ist länger, als man beim Blick auf die Karte meint, da der Weg sich ausgiebig durch die Alpweiden schlängelt. Mit Pausen sollten Sie einen vollen Tag von 8 bis 9 Stunden einplanen.

Ist der Grand Col Ferret gefährlich?

Nein, nicht bei normalen Sommerverhältnissen. Der Weg ist gut markiert, ohne technische Passagen oder Absturzgefahr. Die einzige Schwierigkeit liegt in der Länge der Etappe und dem kumulierten Abstieg. Zu Saisonbeginn (vor Mitte Juli) können Altschneefelder die letzten Hänge auf italienischer Seite bedecken, was etwas Aufmerksamkeit erfordert, aber für jeden erfahrenen Wanderer machbar bleibt. An Regentagen ist der Weg matschig und rutschig.

Kann man die Etappe verkürzen?

Ja, auf zwei Arten. Am Start: Wer in der Refuge Elena statt in der Refuge Bonatti übernachtet, spart morgens 2 Stunden. Am Ziel: Vom Dorf Ferret (1.700 m) fährt ein Bus in 10 Minuten nach La Fouly (7 Abfahrten pro Tag). Einige 7-Tages-Programme fassen diese Etappe mit dem Beginn der nächsten (La Fouly-Champex) zusammen.

Gibt es eine Variante über den Petit Col Ferret?

Der Petit Col Ferret (2.490 m) ist eine weniger bekannte Variante, die näher am Mont Dolent vorbeiführt. Die Route ist wilder, mit Erosionsrinnen und Geröllpassagen. Sie wird von TMB-Wanderern selten begangen, da der Grand Col Ferret direkter ist und ein vergleichbares Panorama bietet. Empfohlen für Wanderer, die Einsamkeit suchen und unwegsames Gelände nicht scheuen.

Der weitere Verlauf des TMB

La Fouly eröffnet den Schweizer Abschnitt des Rundwegs. Die nächste Etappe führt nach Champex-Lac, ein kürzerer und sanfterer Wandertag, der oft als Erholungsetappe des TMB gilt. Champex-Lac, auch "das kleine Kanada der Schweiz" genannt, bietet einen See, Ruderboote und einen Alpinen Botanischen Garten: der perfekte Kontrast nach den Passüberquerungen.

Um diese Etappe im Gesamtkontext einzuordnen, finden Sie im umfassenden Führer zum Tour du Mont-Blanc alle 11 Etappen, Varianten und logistischen Informationen. Wenn Sie den TMB als Komfortversion mit ausgewählten Unterkünften und persönlichem Bergführer erleben möchten, bietet der TMB in 7 Tagen mit Altimood das Beste des Rundwegs in einer Woche.

Sie kommen von der Etappe 5, von Courmayeur zur Refuge Bonatti: Das Panorama der Grandes Jorasses ist noch frisch in Erinnerung. Vor Ihnen liegt die Westschweiz mit ihren Alpkäsespezialitäten.

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  1. Altimood Bergführer
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