Etappe 8 des TMB: Champex-Lac → Trient, Bovine oder Fenêtre d'Arpette?

Fenêtre d'Arpette - Blick nach Westen - TMB

Altimood, Aktualisiert am

Schon beim Frühstück in Champex-Lac steht an jedem Tisch dieselbe Frage im Raum: „Geht ihr über Bovine oder über Arpette?" Es ist das große Dilemma der Etappe 8 des Tour du Mont-Blanc. Auf der einen Seite die Alp Bovine mit ihrem Panorama über das Rhônetal. Auf der anderen die Fenêtre d'Arpette auf 2.665 m – Geröllfeld, mögliche Schneereste, Tiefblick auf den Glacier du Trient. Zwei grundverschiedene Routen, ein gemeinsames Ziel: das Walliser Dorf Trient.

Bergwanderführer begleiten wir regelmäßig Gruppen auf beiden Varianten. Die Entscheidung hängt vom Wetter, der körperlichen Verfassung und den persönlichen Vorlieben ab. Dieser Artikel stellt beide Optionen im Detail vor – mit Geländedaten, Unterkünften und allen wichtigen Hinweisen, damit Sie die richtige Wahl treffen.

Die Route: Profil, Karte und GPX

1200 m1400 m1600 m1800 m2000 m0 km5 km10 km15 kmCol de la Forclaz · 1532 m

Etappe 8 auf einen Blick

Route BovineVariante Fenêtre d'Arpette
Distanz~15,9 km~14,5 km
Aufstieg+876 m+1.100 m
Abstieg-1.014 m-1.300 m
Höchster PunktCollet de Portalo (2.049 m)Fenêtre d'Arpette (2.665 m)
Gehzeit4:30 bis 5:30 Std.6:00 bis 7:30 Std.
Schwierigkeit2/54/5
StartChampex-Lac (1.466 m)Champex-Lac (1.466 m)
ZielTrient (1.279 m)Trient (1.279 m)

Wie entscheiden? Ist der Himmel klar und halten Ihre Beine nach sieben Wandertagen noch durch, ist die Fenêtre d'Arpette der spektakulärste Übergang des gesamten TMB. Bei unsicherem Wetter, müden Knien oder dem Wunsch nach einem ruhigeren Rhythmus bietet Bovine einen entspannten Tag mit großartigen Fernblicken über die Rhône-Ebene.

Klassische Route: die Alp Bovine

Die offizielle TMB-Route verlässt Champex nach Süden, steigt hinab nach Champex-d'en-Bas (1.359 m) und durchquert den Weiler Plan de l'Au. Anschließend geht es stetig bergauf durch den Wald zur Alp Bovine, auf einem schattigen Pfad zwischen Fichten.

Die Alp Bovine: ein Balkon über dem Rhônetal

Die Ankunft an der Alp Bovine (1.975 m) markiert einen Wendepunkt. Bis hierhin drehte sich der TMB um das Mont-Blanc-Massiv – Gletscher, Nadeln, Pässe. Plötzlich öffnet sich der Blick nach Nordwesten, weit über das Massiv hinaus. Das Rhônetal liegt tief und breit darunter, mit Martigny und seinen Rebterrassen im Talgrund. Bei klarer Sicht erkennt man die Dent de Morcles (2.969 m), den Grand Chavalard (2.899 m) und die ersten Gipfel des Berner Oberlandes.

Die Buvette de Bovine, seit den 1920er Jahren in einer Alphütte eingerichtet, bietet warme Getränke und einfache Gerichte. Hier trifft man auch Wanderer, die nicht auf dem TMB unterwegs sind, sondern einfach diesen wenig bekannten Aussichtspunkt genießen.

Vom Collet de Portalo zum Col de la Forclaz

Nach Bovine überquert der Weg den Collet de Portalo (2.049 m), den höchsten Punkt der klassischen Route. Der Abstieg zum Col de la Forclaz (1.526 m) führt am Chalet de la Giète vorbei, einer weiteren Alp. Der Col de la Forclaz ist ein Straßenpass mit Hotel-Restaurant und Parkplatz.

Der Abstieg vom Col de la Forclaz nach Trient dauert 30 bis 45 Minuten auf einem Waldweg. Die Ankunft im Dorf ist sanft – zwischen Holzchalets und Brunnen.

Die Variante: Fenêtre d'Arpette (2.665 m)

Die Fenêtre d'Arpette gilt als die anspruchsvollste Variante des gesamten Tour du Mont-Blanc. Gleichzeitig bietet sie den größten Kontrast an einem einzigen Tag: Man wechselt von einem idyllischen Tal in eine steinerne Wüste und steht dann mit Blick auf den Glacier du Trient.

Der Aufstieg: vom Relais d'Arpette ins Geröll

Start ist in Champex-Lac Richtung Val d'Arpette, nach Nordosten. Nach 30 Minuten erreicht man das Relais d'Arpette (1.627 m), eine Berghütte am Waldrand. Hier gibt es die letzte Verpflegungsmöglichkeit vor dem Pass.

Der Pfad steigt durch das Val d'Arpette auf einem guten Weg zwischen Lärchen und Alpweiden an. Je höher man kommt, desto spärlicher wird die Vegetation. Ab etwa 2.200 m betritt man eine mineralische Welt: Granitblöcke, instabiles Geröll, stellenweise kaum erkennbare Wegspuren. Steinmännchen markieren die Route, doch bei schlechtem Wetter oder Nebel wird die Orientierung heikel. Das ist der Hauptgrund, warum diese Variante bei schlechter Sicht gemieden werden sollte.

Die Fenêtre: der Übergang und seine Bedingungen

Die Fenêtre d'Arpette (2.665 m) ist kein Pass im klassischen Sinne: Es ist eine schmale Scharte in einem Felsgrat, ein Durchgang zwischen zwei Welten. Der letzte Abschnitt vor dem Scheitelpunkt ist die technisch anspruchsvollste Passage des TMB. Das Geröllfeld ist steil, die Blöcke bewegen sich unter den Füßen, und zu Saisonbeginn (Juni, manchmal Anfang Juli) liegt Schnee über dem Übergang. Ohne Grödel und Schneeerfahrung ist es besser umzukehren.

Oben kippt das Panorama. Richtung Westen das Val d'Arpette, grün und eingeengt. Richtung Osten der Glacier du Trient mit seinen Seracs und Moränen, eingerahmt von Granitnadeln. Es ist der höchste Punkt des TMB auf der Varianten-Route. Dieser Moment allein rechtfertigt die Mühe des Aufstiegs.

Der Abstieg nach Trient: Geröll, dann Wald

Der Abstieg auf der Trient-Seite ist lang und geht auf die Knie. Knapp 1.300 Höhenmeter werden auf weniger als 8 km abgebaut. Das Geröll weicht einer Moräne, dann einem Waldpfad durch Lärchen. Man kommt in die Nähe der Gletscherzunge des Glacier du Trient, dessen Rückzug auffällig ist.

Vor 20 oder 30 Jahren reichte der Gletscher noch bis an den Weg heran. Familien picknickten mit den Füßen auf dem Eis. Heute liegt das Gletscherende oberhalb von 2.000 m, weit über dem Pfad. Dieser rasche Rückzug erzählt die Geschichte des Klimawandels im Hochgebirge eindrücklicher als jede Grafik.

Eine Buvette unterhalb des Gletschers lädt zum Pausieren ein, bevor der letzte Abschnitt nach Trient folgt. Der Weg führt durch den Wald, über eine Brücke und mündet ins Dorf.

Der Glacier du Trient und der vergessene Eishandel

Vor der Erfindung des Kühlschranks versorgte der Glacier du Trient ein ebenso unwahrscheinliches wie einträgliches Gewerbe. Arbeiter schnitten Eisblöcke direkt vom Gletscher, ließen sie über lange Holzrinnen – sogenannte „Risses" – ins Tal gleiten und verluden sie auf Karren bis zum Bahnhof Martigny. Von dort ging das Eis per Zug nach Genf, Lyon, Marseille und Paris, wo es Getränke kühlte und Lebensmittel in Restaurants und Krankenhäusern frisch hielt.

Dieses Gewerbe verschwand mit der mechanischen Kühlung und dem Rückzug des Gletschers selbst. Was für die Bergbewohner des Wallis einst Alltag war, ist heute ein Museumsstück. Wer von der Fenêtre d'Arpette absteigt und auf den geschrumpften Gletscher blickt, spürt das Ausmaß dessen, was sich in wenigen Generationen verändert hat.

Trient: Ankunft im Dorf

Trient (1.279 m) ist ein kleines Walliser Dorf ohne Schnickschnack. Keine Souvenirläden, keine Bergbahnen, ein paar Gasthäuser und ein Campingplatz. Die Stimmung ist ruhig, fast nüchtern nach dem Trubel von Courmayeur oder dem Seeidyll von Champex.

Und doch ist es ein Knotenpunkt des TMB: Hier treffen die Wanderer, die über Bovine kamen, auf diejenigen, die über die Fenêtre d'Arpette abgestiegen sind, und vergleichen ihre Erlebnisse des Tages. Die Abendgespräche drehen sich unweigerlich um dieselbe Frage: „Und du – welchen Weg bist du gegangen?"

Unterkünfte in Trient

Reservierung in der Hauptsaison empfohlen. Trient hat nur begrenzte Übernachtungskapazitäten. Im Juli und August mindestens eine Woche im Voraus buchen.

Praktische Tipps

Wasser und Verpflegung

Über Bovine: kein zuverlässiger Wasserpunkt zwischen Champex und der Buvette de Bovine (ca. 2:30 Std. Gehzeit). Mindestens 1,5 Liter mitnehmen. Danach kann man sich an der Buvette de Bovine und am Hôtel du Col de la Forclaz versorgen.

Über die Fenêtre d'Arpette: Das Relais d'Arpette (30 Min.) ist die letzte Verpflegungsstelle. Mindestens 2 Liter mitnehmen. Im Val d'Arpette fließen Bäche, die in der Höhe jedoch versiegen können. Auf der Abstiegsseite bietet die Buvette am Glacier du Trient Getränke und leichte Speisen.

In Trient gibt es keinen Lebensmittelladen. Proviant am Vortag in Champex besorgen, falls nötig.

Wetter und Timing

Die Fenêtre d'Arpette erfordert klaren Himmel und gute Sicht. Bei Nebel, Regen, angekündigtem Gewitter oder Restschnee (häufig im Juni) ohne Zögern auf Bovine ausweichen. Das Geröllfeld unter der Fenêtre wird bei Nässe rutschig, und im Nebel ist die Orientierung schwierig.

Über Bovine genügt ein Aufbruch um 8:30–9:00 Uhr. Über die Fenêtre d'Arpette empfiehlt sich ein früher Start (7:00–7:30 Uhr), um Zeitreserve zu haben und den häufigen Nachmittagsgewittern im Sommer auszuweichen.

Höhenangst und technische Schwierigkeit

Die Fenêtre d'Arpette hat keine wirklich ausgesetzten Stellen, aber das Geröllfeld ist steil und instabil. Wanderstöcke sind unverzichtbar, besonders im Abstieg. Wer unter Höhenangst leidet, wird hier keine besonderen Probleme haben – es ist vielmehr die körperliche Anstrengung und die Geländetechnik (Blöcke, Geröll, möglicher Schnee), die diese Passage anspruchsvoll machen.

Häufige Fragen zur Etappe 8 des TMB

Ist die Fenêtre d'Arpette gefährlich?

Der Übergang ist unter normalen Bedingungen (gutes Wetter, trockener Weg, kein Schnee) nicht gefährlich. Er ist allerdings körperlich fordernd und technisch anspruchsvoller als der Rest des TMB. Das Hauptrisiko ist ein verstauchter Knöchel im Geröll oder Desorientierung bei Nebel. Zu Saisonbeginn können Schneefelder die Passage ohne geeignete Ausrüstung heikel machen. Im Zweifelsfall Bovine wählen: Der TMB bietet auch ohne unnötige Risiken mehr als genug unvergessliche Momente.

Kann man die Fenêtre d'Arpette als Hin- und Rückweg von Champex aus machen?

Ja, das ist eine Option für Wanderer, die die Fenêtre sehen möchten, ohne den langen Abstieg nach Trient in Kauf zu nehmen. Rechnen Sie mit 6 bis 7 Stunden hin und zurück ab Champex. Man kann auch zur Fenêtre aufsteigen, auf der Champex-Seite wieder absteigen und am nächsten Tag die Bovine-Route nehmen.

Lohnt sich Bovine, auch wenn man Arpette schaffen könnte?

Bovine bietet einen völlig anderen Tag: Fernblicke über die Rhône-Ebene, Alpweiden, eine pastorale Atmosphäre. Es ist kein „Plan B" – es ist eine Route mit eigenem Charakter. Wanderer, die den TMB mehrfach gemacht haben, wechseln oft zwischen beiden Varianten ab.

Welche Variante für den TMB in 7 Tagen?

In unserem TMB in 7 Tagen hängt die Wahl von den Tagesbedingungen und dem Niveau der Gruppe ab. Wenn es die Verhältnisse erlauben, ist die Fenêtre d'Arpette ein unvergessliches Highlight. Aber ein Tag über Bovine – mit Zeit für eine Pause an der Buvette und dem Blick auf die Weinberge von Martigny im Tal – ist alles andere als ein Trostpreis.

So geht es weiter auf dem TMB

Von Trient führt die nächste Etappe zum Col de Balme (2.204 m), der letzten Grenze des TMB (Schweiz → Frankreich). Das Mont-Blanc-Massiv taucht wieder frontal auf, nach Tagen auf der italienischen und schweizerischen Seite. Es ist einer der bewegendsten Momente der gesamten Runde.

Um diese Etappe im Gesamtkontext einzuordnen, finden Sie im vollständigen Artikel zum Tour du Mont-Blanc alle 11 Etappen, Varianten und Logistik-Informationen. Wenn Sie den TMB komfortabel mit ausgewählten Unterkünften und einem eigenen Wanderführer erleben möchten, fasst der TMB in 7 Tagen mit Altimood das Beste der Runde in einer Woche zusammen.

Sie kommen von der Etappe 7, von La Fouly nach Champex-Lac: das kleine Schweizer Kanada liegt hinter Ihnen. Vor Ihnen bringen die letzten drei Etappen Sie zurück nach Chamonix, über den Balkon mit Blick auf die Mer de Glace und die Drus.

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  1. Altimood Bergführer
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